Dr. Michael Kühnel-Rouchouze
Reiseimpfungen / Tropenmedizin &
Allgemeinmediziner

Warten auf die Responder

Malta…

wp_20161107_12_39_20_pro1-e1478687491912-575x1024Hier bin ich also… La Valetta. Die dritte Mission in diesem Jahr und vermutlich die herausfordernste. Viele Leute fragen mich – immer noch – warum ich mir „das antue“. Für mich ist es nicht, war es nie und wird es nie etwas sein, das man sich „an tut“. Warum macht Harald, mein Freund, noch einen Musical-Workshop, warum machen so viele Freiwillige MitarbeiterInnen laufend Dienste beim Roten Kreuz und anderen Organisationen?
Ich habe mir diesen Beruf bewusst gewählt und kann mir nichts schöneres vorstellen. Meine Arbeit beim mobilen Palliativteam in Wien ist genauso schön, wie die Arbeit hier. Ich habe das Privileg, dass ich zeitlich flexibel bin einfach Spass an dem habe, was ich mache. Dies ist wohl der größte Vorteil als Arzt. Spass an der Arbeit zu haben-  und am Ende kommt etwas Sinnvolles dabei raus.

Ich habe Respekt vor dem Leben, noch mehr seit ich im Palliativbereich arbeite.

So viel dazu. Ich bin also gut auf Malta angekommen. Ein Flug von knapp zwei Stunden ist etwas ungewöhnlich, da wir normalerweise länger ins Zielgebiet brauchen. Sogar Idomeni war mit dem Auto knapp 10 Stunden zu fahren.wp_20161106_17_04_14_pro1-e1478687466978-1024x575

Heute, am ersten Tag gab es die ersten Briefings. Valerio, ein italienischer Kollege, der Ende Juli als erster die „Responder“ bestieg, wurde entsandt, um uns die grundlegenden Infos zu geben. Wir bekamen viele Infos über das Leben und die Einsätze. und… wir bekamen Schutzausrüstung… hübsche weiße Overalls, die an Ebola- Anzüge erinnern. Ich fürchte, es wird nicht nur inspirierend, sondern auch transpirierend werden.

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Maltesische Rote Kreuz

Das ganze fand in den Räumlichkeiten des Maltesischen Roten Kreuzes statt. Die Organisation gibt es erst 25 Jahre, da Malta davor ja britisch gewesen ist. Die Gesellschaft ist in den Räumen einer alten Pferdekoppel untergebracht… Sie haben Freiwillige von allen Teilen der Erde: Belgien, Nordkorea, Mexiko,…

Und ich habe mein neues Notarzt-Motorrad gefunden- werde dem Wiener Roten Kreuz gleich nach meiner Rückkehr die Idee unterbreiten, zweifle aber, dass dies umgesetzt wird..wp_20161107_12_43_30_pro1-1024x576

Heute ist die Responder auf Malta eingetroffen, nachdem sie noch rund 700 Flüchtlinge in Kalabrien abgeliefert hat. Für uns heißt es, morgen Übergabe, Einweisung am Schiff und- nachdem alle Vorräte aufgefüllt wurden- ab aufs Meer. Danach werden wir am Meer DRILLS haben, was, wenn es brennt, wenn das Schiff sinkt, andere Notfälle… Uns wird sicher nicht fad werden

Wir haben die Zeit auch damit verbracht, einander kennen zu lernen. Wenn man drei Wochen auf engstem Raum zusammen leben wird, sich vor allem medizinisch aufeinander verlassen muss, dann ist es wichtig, sich zu verstehen.

Geplant sind unter anderem

  • ein Isländisch Kurs
  • Ukulele für Anfänger-

natürlich habe ich meine Ukulele mitgebracht. Sie ist für mich nicht nur Spaß, sondern auch Coping Strategie- also eine Möglichkeit , den Alltag hinter sich zu lassen.

Was wird unsere Aufgabe sein?

Nachdem die Menschen von der Crew auf unser Schiff gebracht wurden ( Ich muss immer aufpassen, als Landratte nicht „Boot“ zu sagen), müssen wir uns einen Überblick verschaffen, Menschen behandeln, ihnen zu Essen geben, sie psychologisch betreuen und Ihnen ein Gefühl der Sicherheit geben. Gleichzeitig müssen wir sie beruhigen, da die Fahrt bis zu 48 Stunden dauern kann. Ich denke, dass es da viele Geschichten geben wird, die erzählt werden und auch werden müssen. Auch uns wurde jederzeit psychologische Hilfe und Unterstützung- im Notfall übers Internet zugesagt. Das letzte Team musste auch einen Menschen reanimieren, leider erfolglos..

Ich werde Euch bald vom Schiff berichten. Dann wird es auch die ersten Fotos geben.

 

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