Dr. Michael Kühnel-Rouchouze
Reiseimpfungen / Tropenmedizin &
Allgemeinmediziner

Einsatzende

Der letzte Blog…

Wir haben das Schiff verlassen, Eleonore ist bereits in Istanbul- klingt komisch ist aber so. Aufgrund des Streiks wird sie über Istanbul nach Stockholm fliegen…ist ja logisch. Wir haben gerade den letzten gemeinsamen Abend hinter uns und morgen wird sich unser Team wieder in alle Winde zerstreuen… und unser Einsatz wird Geschichte sein.

Ich versuche die Einsätze immer etwas humoristischer ausklingen zu lassen…

Zunächst einmal vielen Dank dafür, dass es so viele treue LeserInnen gab.

Was brachte mir dieser Einsatz:

  • 1.108 Menschen (plus Babies, die in Mamas heran wachsen) konnten wir retten, ein Mann wurde tot geborgen und bei einem Mann mussten wir leider eine erfolglose Wiederbelebung abbrechen. In Summe also aus meiner Sicht eine höchst erfolgreiche Aufgabe. Ich wollte nicht mehr und nicht weniger.
  • Ein bisschen selbst- Beweihräucherung : Das Team war mit Eleonora und Johanna als DGKPs sehr gut aufgestellt, hat super gearbeitet und mit Thorir, der vermutlich vor der Mission selbst nicht geahnt hatte, wie dicht und wie intensiv das für ihn als Medienexperte werden würde, hatten wir einen guten Mann im Hintergrund, der uns unterstützte, wo er nur konnte. Danke Euch dafür.wp_20161124_10_42_57_pro
  • Ich habe Cliniclowns in Action gesehen. Ashley, die mittlere der drei Waisenkinder, wurde super von den beiden Damen versorgt. Auch ohne Sprache hatten sie sie sofort auf ihrer Seite. Einfach nur dasitzen und gemeinsam Musik hören und ich sah ein Kind, dass drei Tage wenig gesprochen hatte und um das sich zumindest immer ein MOAS oder RK MitarbeiterIn gekümmert hatte, wieder lachen, kurzfristig sein Schicksal vergessen. Ohne Sprache, Ashley kann nur Französisch, einem Kind etwas Sicherheit geben. Ein neues Land, keine Sprachkenntnisse, alleine mit den Geschwistern, die Mutter sterben sehen… Auch das sind Bilder, die man in Europa so nicht sieht, sehen will. Umso mehr freue ich mich, dass meine Frau ganz bald ihre Ausbildung zur Gesundheitsclownin fertig haben wird. Ich denke, sie wird das genauso bravurös meistern. Ach ja:

     Mademoiselle-clown.at                oder auf               Facebook: mademoiselle clown

Hier könnt Ihr Infos über sie und ihre neue Aufgabe finden. Geplant sind Workshops, Auftritte, Hilfe in oben beschriebenen Situationen,…. Werbung in eigener Sache

  • Hoffentlich ein paar Kilo weniger, wobei ich bei dem Mangel an Bewegung am Schiff eher nicht abgenommen habe. Es gibt aber Schlimmeres. Immerhin habe ich um vom Hafen ins Zentrum zu kommen immer die Stufen genommen. Da die City in Valetta am Hügel oben liegt, ist der Hafen via Aufzug oder über 280 Stufen zu erreichen. Zuletzt gestern Nachmittag, als ich mich von Elonore verabschiedet habe. Der Einsatz hat so geendet, wie er begonnen hat. Als ich am ersten Tag ins Hotel kam, traf ich mich noch mit Eleonore auf ein Getränk. Das letzte, was sie vor ihrer Abreise machte, war mit mir in Valetta Kaffee zu trinken. Ein schöner Abschluss. Der Nachteil an internationalen Teams ist der, dass es kaum einen gemeinsamen Abschluss gibt, da jeder an einem anderen Termin, zu einem anderen Zeitpunkt heim fliegt.
  • Ich weiß jetzt, dass unser Schiff sehhhr schnell fahren kann. Von Kalabrien nach Malta wollte der Kapitän vermutlich sein Schiff ausprobieren. Ein 2. Mal wurde ich seekrank. Aber nicht nur ich. Wir waren am Ausräumen der Klinik. Mitten im Putzen meinte Johanna nur: Ich bin mal weg.. und ward nicht mehr gesehen. 20 min später musste ich mich auch verabschieden. Elonore stand plötzlich alleine beim Putzen. Ich glaub, sie hat dann auch aufgegeben, weil das Putzen alleine keinen Spass machte.
  • Ich habe viele Medikamente entdeckt, als wir die Liste für die Übergabe geschrieben haben. Das lief dann so unter: „ Ach.. Das haben wir auch…“ In Summe hatten wir genug Medikamente für den Einsatz. Alleine das Material rundherum war suboptimal. Die Sauerstoffflasche, die teilweise ein Eigenleben hatte. Der mechanische Absauger, der sich im Einsatz als unfertiges bzw. instabiles 3D Puzzle entpuppte. Wobei dieser Umstand nicht entscheidend war.
  • Ich habe bei allen Dingen, bei allem Leid, das ich gesehen habe, auch einen wunderschönen Sternenhimmel gesehen, einige wunderbare Sonnenuntergänge, dankbare Menschen.Sonnenuntergang Responder
  • Ich habe es für mich erstmals zugelassen, mir Pausen zu gönnen, die evt. auch etwas länger, als die der MitarbeiterInnen war. Nachdem ich ja im Ernstfall 24 Stunden erreichbar war, haben mich meine Schwestern auch mal früher ins Bett geschickt. Ich fand das sehr nett von ihnen, aber ihre Argumentation war auch überzeugend. Das ist sicher etwas, was ich früher nicht zugelassen hätte.
  • Unseren beiden PatientInnen, die wir not-evakuiert haben, sind zum Teil gebessert. Die junge Dame dürfte am Montag entlassen werden. Bei dem jungen Mann, dessen Zustand sich so verschlechtert hatte, weiß man nicht, ob er es schaffen wird. Er dürfte nicht nur Salzwasser in die Lunge bekommen haben, sondern auch Treibstoff. Noch ist er in einem sehr kritischen Zustand.
  • Ich hab es in eine italienische Zeitung (Espresso) geschafft. Unser Reporter bezeichnete mich als großen, quasi mächtigen und stattlichen Arzt aus Wien. Wie kommt er nur auf die Idee.?
  • Ich habe gestern in Malta die vermutlich beste Pizza der letzten Jahre gegessen (La Pirata als Insidertipp, aber Plätze vorbestellen). Außerdem gibt es hier das beste Eis, das ich kenne… Ach auch das Essen soll erwähnt werden. Johanna hat sich gestern ein großes Steak gegönnt. Nach über 2 Wochen Huhn mit Reis (ja, ich hatte ein Deja vue) wollte sie FLEISCH. Wobei das Essen Auf der Responder doch immer wieder nette Überraschungen bot. Also Huhn mit Reis zum Beispiel…
  • Ukulele auf hoher See überhaupt mit Joey kann was. Wir hatten Spass und es war eine willkommene Abwechslung. Er ist genauso Musik-begeistert  wie ich und unsere MOAS RK Sound of Silence Ukulele Cover Version war wirklich nett. Auch die Reporterin von Al Jazeera war beim Singen dabei und begeistert. Eventuell nicht mehr ganz so bei „No woman no cry“…. Die MOAS Mitarbeiter glaubten mir nicht, dass ich eine Ukulele habe. OK sie glaubten mir auch nicht, dass ich ein RK Tattoo habe… Das verstehe ich schon eher.
  • Malta hat viiiiele Stiegen rauf runter und wieder rauf… anstrengend
  • Traurig war, dass ich bis auf zwei Mal im „Phase 10“  Spielen gegen eine Spielanfängerin, Eleonore, verloren habe.. Daran werde  ich noch länger knabbern

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    Särge für die Verstorbenen

  • Ich war sehr positiv überrascht von den italienischen Behörden. Neben den Cliniclowns waren bei unserer Ankunft in Kalabrien auch die Bestatter mit zwei Särgen für unsere Toten anwesend. Sie wurden würdevoll vom Schiff gebracht. Ich sah auch einen Mann mit Austria am Rücken und wollte natürlich heraus finden, was ein Österreicher in Kalabrien macht. Bevor ich ihn ansprechen konnte merkte ich beim mich Annähern meinen Lesefehler. Da stand nicht Austria sondern Autista. Ach so viele Buchstaben und lesen wird maßlos überschätzt.
  • Manche Dinge muss man immer wieder wiederholen: Neue, pinke Badetücher- ich stehe auf die Farbe- sollte man nicht mit weißen RK Polos waschen. Ich hab jetzt ein Rosa Kreuz Polo. Und ja, ich werde es zum Heimflug anziehen. Es kommen eh keine Reporter und es ist nur ein leichter rosa Stich. Lustig auf jeden Fall.
  • Ich frage mich die ganze Zeit, warum sich mein Bett so stark bewegt. Ja, es schaukelt.. hier mitten in Malta. Habe schon daran gedacht, einen Exorzisten kommen zu lassen. Ich fürchte es wird, gleich, ob mit oder ohne Alkohol, noch ein oder zwei Tage weiter schaukeln. Das früher schon mal erwähnte Schaukeln beim Gehen ist auch wieder da. Es muss von außen sehr komisch aussehen. Egal.. Interessanter Weise ist Thorir, unser „alter“ S
    Malaktion MOAS

    Alles wird wieder umlackiert

    eebär seekrank, seit wir gestern Abend das Schiff verlassen haben. Keine Ahnung, warum er länger brauchte…

  • MOAS Mitarbeiter können gut tanzen (Das Video bleibt geheim), Leben retten und malen. Wer die Fotos von der Responder kennt: seit heute ist der Bug wieder blau, ohne MOAS Logo. Das gehört zur Übergabe dazu, alles wieder so wie vorher zu machen. Da hatten wir mehr Glück… Das RK Logo war nur in Form von großen Plakaten vertreten. Macht es einfacher.
  • Mein Italienisch aus der Schule ist noch nicht ganz verloren. Danke an Frau Professor Wolf, die an uns und mit uns verzweifelt ist… Die Übergabe an den italienischen Arzt ging fast ohne Probleme. Einzig die Clownin machte Probleme. Ich wollte ein Foto von ihr machen und versuchte zu erzählen, dass meine Frau auch eine Clownin ist. Sie meinte nur, sie sei schon verheiratet oder noch nicht. Irgendetwas in der Art. Auf jeden Fall schien sie es für einen plumpen Anmachspruch zu halten. „He Weibchen.. Ich bin Doktor, Du ClownDoktor.. Da geht doch was oder?“ ist kein guter Spruch bei Italienerinnen… und dann ging die Kamera meines Handys nicht.. . Machte die Lage nicht besser. Aber am Ende machte ich dann ein paar Fotos ohne nochmals zu fragen.. Ätsch.. und geheiratet hab ich sie auch nicht..
  • Life of Brian ist auch beim 52. Mal lustig..

Danke nochmals an alle und bitte vergesst nicht- ich gebe keine Wahlempfehlung ab. Das steht mir nicht zu und es machen eh schon zu viele. Es ist mir zwar nicht egal, wer gewinnt. Ich möchte aber, vom Sieger, dass er die Menschen als Menschen behandelt, nicht als politischen Spielball…

Denn eines bleibt für mich auch: Die Ergänzung des RK Mottos

In diesem Sinne sage ich Tschüss aus Malta und bald Hallo in Wien

Aus Liebe zum Menschen und aus großem Respekt vor dem Leben

1 Kommentar

  1. Veröffentlich von Brigitte Schidler am 27. November 2016 um 16:31

    Lieber Michi! Wir sind wiedermal sehr stolz auf dich. Deine Steirer!!

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