Dr. Michael Kühnel-Rouchouze
Reiseimpfungen / Tropenmedizin &
Allgemeinmediziner

Der Politik Wahnsinn muss aufhören- ein offener Brief an Minister Kurz

Sehr geehrter Herr Aussenminister Kurz….
Mit grossem Interesse habe ich Ihre Kommentare auf Malta gehört.

Mich indirekt der Schlepperei zu bezichtigen finde ich mutig für jemanden, der scheinbar die absolute Wahrheit kennt. Ja, auch ich war im Mittelmeer und habe Flüchtlinge gerettet. In Ihren Augen mag das vielleicht ein Akt der Barbarei sein. In meinen Augen war das ein Zeichen der Nächstenliebe.
Meine Kollegen und ich haben beim Roten Kreuz und vielen anderen NGOs die Aufgabe übernommen, Menschenleben zu retten.

Sie haben Recht, ich habe auch keine gesteigerte Lust, mein Leben zur Rettung von Flüchtlingen zu riskieren.
Leider haben Sie und Ihre Kollegen Politiker es in den vergangenen Jahren nicht geschafft, eine humane Lösung für das Flüchtlingsdrama zu finden. Sie haben jahrelang dabei zugesehen, wie sich im Nahen Osten die Dramen immer mehr zuspitzten. Sie und Ihre KollegInnen taten überrascht, dass es nun plötzlich Menschen gibt, die vor Krieg, Folter und Verfolgung fliehen. Sie und Ihre KollegInnen haben sich im Sommer 2015 durch Untätigkeit Chaos und zuletzt Dreistigkeit ausgezeichnet, was die Finanzierung der Flüchtlingshilfe unter Abzug der Spenden an ging. Nicht nur, dass die Regierung scheinbar im Sommer 2015 nicht da war- Ich denke, dass ohne NGOs das gesamte System in Österreich zusammengebrochen wäre.

Sie und Ihre KollegInnen waren noch letztes Jahr so stolz darauf, die Balkanroute geschlossen zu haben. Auch hier gilt: Anstatt mit der EU und anderen Gemeinschaften nach sinnvollen Lösungen zu suchen, haben Sie ein Leid verursacht, das ich in vielen Auslandseinsätzen zuvor noch nicht gesehen habe. Dies alles spielte sich in der EU ab, in Griechenland, dass zuvor schon massive Probleme hatte.

Die Menschen waren gezwungen, andere Möglichkeiten zu suchen. Nun haben sie eine gefährlichere, tödlichere gefunden- den Weg von Libyen aus über das Mittelmeer.
1.000e starben und sterben, nicht weil NGOs sie retten, sondern weil Sie und Ihre KollegInnen seit mehr als 2 Jahren versagen, versagen darin, einerseits Lösungen in den betreffenden Ländern zu finden und andererseits ein humanes und gerechtes Verteilungsmuster in der EU zu finden.
Welche Wahl würden Sie treffen: Sich weiter in Libyen foltern zu lassen, oder zurück in den Irak oder Syrien zu gehen um dort „Krieg zu spielen“ oder Sie wählen Tor 3, dass eine geringe Chance verspricht, in die EU zu fliehen- mit der Möglichkeit im Meer zu ertrinken.

Ich würde daher soweit gehen, dass ich sage: Ihr Politwahnsinn muss aufhören. Versuchen Sie, den Menschen zu dienen. Dafür wurden Sie gewählt. Ich weiß, dass es populär ist, mit den Ängsten der Menschen, ÖsterreicherInnen und EuropäerInnen zu spielen. Ich muss auch zugeben, Sie schaffen dies mittlerweile schon fast so gut, wie einige rechte und rechtsrechte Parteien. Ob das nun erstrebenswert ist, wage ich zu bezweifeln.
Ich verstehe durchaus, dass Menschen Angst haben, vor dem Fremden, dem Neuen, vor Terroristen und anderen Gefahren. Meine Frage ist: Wieviele Menschen müssen im Mittelmeer sterben, bevor Sie selbstgefällig genug sagen können: Wir sind jetzt sicher. Der Attentäter von London wurde in Großbritannien geboren. Wie hätte man dem vorbeugen können?
Hass und Vorverurteilung führen zu Hass und Vorverurteilung von „der anderen Seite“. Eine Spirale des Hasses, die sich immer schneller dreht…

Ich weiss nicht, wie das Rote Kreuz auf Ihre aberwitzigen Aussagen reagieren wird. Ich jedenfalls frage mich, ob Sie als ÖVP Politiker Ihre „Wurzeln“ vergessen haben?
Ich lege Ihnen folgende Bibelstellen ans Herz: Johannes 13:34, Römer Brief: 12: 9-21

Ich bin jetzt nicht ganz weltfremd und weiss auch, dass der Platz in Wien, Österreich, Europa beschränkt ist. Mein Aufgabe ist es nur Leben zu retten. Ihre wäre es eigentlich, dem Volk zu dienen, die Ihnen anvertrauten Menschen zu schützen- auch die Geflüchteten- ob dies durch den mutwillig in Kauf genommenen Tod anderer erreicht wird, bezweifle ich. Ob dies durch Zynismus Ihrerseits, wie durch die Malta Aussagen, erreicht wird, bezweifle ich ebenfalls

Ich schliesse mit den Worten des Roten Kreuzes bzw. der Caritas: Was ich tue und was Sie tun sollten, tun Sie es:

Aus Liebe zum Menschen und aus großem Respekt vorm Leben….
Liebe > Hass

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